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Abgestandener Wein in alten Schläuchen – (Wieder-)Einführung des Diploms löst keine bestehenden Probleme

Eine Pressemitteilung der Konferenz thüringer Studierendenschaften (KTS) und des Studierendenrates der TU Ilmenau:

 

Die Entscheidung von Wissenschaftsminister Tiefensee (TMWWdG), den Antrag der TU Ilmenau auf Wiedereinführung von Diplomstudiengängen (Elektrotechnik und Maschinenbau) für das Wintersemester 2016/17 zu genehmigen, kritisieren die Konferenz Thüringer Studierendenschaften und der Studierendenrat der TU Ilmenau scharf.

Janek Heß, Sprecher der Konferenz Thüringer Studierendenschaften erklärt hierzu: „Wir halten den ambitionierten Zeitplan zur Einführung der neuen Diplomstudiengänge (Elektrotechnik und Maschinenbau) für unrealistisch, da es in so kurzer Zeit nicht möglich ist, studienspezifische Bestimmungen und Ordnungen zu entwerfen, zu beschließen und genehmigen zu lassen. Dies dauert im regulären Verfahren mindestens ein Jahr, anschließend müssen die Ordnungen vor Beginn der Immatrikulation veröffentlicht werden. In dem angestrebten Zeitraum kann somit kein studierbarer Diplomstudiengang entstehen. Letztlich führt dieser Zeitplan dazu, dass der Studienplan nur auf Sicht während des Studiums entsteht und für die zukünftigen Dipomstudierenden massive Nachteile bergen. Die Studierenden können daher weder voraussehen, welche Abhängigkeiten zwischen den Studieninhalten bestehen werden, noch welche Vertiefungsmöglichkeiten ihnen angeboten werden, noch wann gegebenenfalls Unternehmenspraktika zu absolvieren sind. Auch ist für die Studierendenvertretung immer noch nicht klar, woher die personellen Kapazitäten für die Einrichtung und die Verwaltung der Studiengänge kommen sollen.“

Franziska Chuleck, Referentin für Hochschulpolitik des StuRa der TU Ilmenau, ergänzt: „Bestehende Schwächen der Umsetzung der Bologna-Reform zu korrigieren, sind auch im Bachelor- und Mastersystem möglich. So gibt es bei einem Teil der angebotenen Bachelor-Studiengänge der TU bereits die Möglichkeit, ein Nebenfach zu wählen oder ein Semester mit ausschließlich wahlfreien Veranstaltungen im Ausland zu verbringen. Auch die Reduzierung der Prüfungslast durch eine Umstellung auf weniger Prüfungen, welche stärker auf vernetz-endes Wissen und fachübergreifendes Verständnis abstellen, ist in vollem Gange. Weiterhin bietet die Universität bereits konsekutive und stark forschungsorientierte Masterstudien-gänge an, in denen die Studierenden auch ihren Forschungsneigungen in enger Abstimm-ungen mit den verantwortlichen Hochschullehrern nachgehen können. Diese Korrekturen sollten nun schrittweise auf alle Bachelor- und Masterstudiengänge übertragen werden. Das Studium wieder freier und mit mehr Wahlmöglichkeiten zu gestalten begrüßen wir, dafür müssen aber keine neuen Abschlüsse eingeführt werden.“

Heß erklärt abschließend: „Eigentlich ist es Aufgabe eines funktionierenden Qualitätsmanagments, dafür zu sorgen, dass Studiengänge studierbar sind. Die Nutzung des alten Titels 'Diplom' ist aus unserer Sicht eine Täuschung künftiger Studierender, die ein altes Diplom erwarten und ein unausgereiftes neues System vorgesetzt bekommen. Die Einführung des Abschlusses Diplom, als Alleinstellungsmerkmal, zum Zwecke der Profilbildung der Technischen Universität Ilmenau ist nicht angemessen. Alle inhaltlichen Vorteile des geänderten Studienangebotes lassen sich auch im Bachelor-Master-System realisieren. Die für das Diplom aufzubringenden Ressourcen könnten jedoch besser zur Profilbildung durch ausgezeichnete Lehre und hervorragende Bachelor-Master-Studiengänge verwendet werden."

Nach Auffassung der KTS und des StuRa ist es wesentlich sinnvoller, die vorgeschlagenen Verbesserungen in den bestehenden Bachelor- und Masterstudiengängen umzusetzen. Die TU Ilmenau möchte das Diplom in weniger als drei Monaten einführen, um einen Studienbeginn zum Wintersemester 16/17 zu realisieren. Unter den gegebenen Umständen halten StuRa und KTS diesen Zeitplan für sehr unrealistisch.

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