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Veranstaltungsreihe: »Moral in der Wissenschaft?«

12. April 2015 Exkursion Erinnerungsort »Topf und Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz«

 
16. April 2015 Lesekreis »Traditionelle und kritische Theorie«

 
23. April 2015 Vortrag »Subjektive und objektive Momente physikalischer Erkenntnis«

 
12. Mai 2015 Vortrag »Vernunft, technische Rationalität, Krieg – Zur gesellschaftlichen Verantwortung des Ingenieurs«

 

Exkursion Erinnerungsort »Topf und Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz«

In den Krematorien für den Völkermord an den europäischen Juden und Sinti und Roma errichteten Ingenieure von J. A. Topf & Söhne die Verbrennungsöfen und die Lüftungstechnik für die Gaskammern. An keinem anderen zivilen Ort waren die mit der Praxis der industriellen Vernichtung von Menschenleben verbundenen Fragen mehr präsent als in diesem Erfurter Unternehmen: als Auftrag, als Arbeit, als technologische Herausforderung.

 

Um 15:00 Uhr startet eine ca. 120-minütige Führung durch die Dauerausstellung »Techniker der ›Endlösung‹«. Die Anreise erfolgt mit der Bahn um 13:22 Uhr ab Ilmenau Bahnhof. Vom Hbf Erfurt bis zum Ausstellungsort sind es ca. 15 Gehminuten.  Eintritt und Führung sind kostenfrei, wobei der Erinnerungsort sich über eine Spende freut.

 

Zur besseren Planung würden wir uns über eine vorherige Anmeldung per Mail an: ref-polibi@tu- ilmenau.de freuen.

 

Lesekreis »Traditionelle und kritische Theorie«

In Max Horkheimers Essay »Traditionelle und kritische Theorie« von 1937 beschreibt der Autor den Stand der Wissenschaft, ihren Betrieb und ihre Theorie, an die sich dann eine Kritik, in Form der »kritischen Theorie« anschließt. Seine Analyse ist noch heute aktuell.

 

Eingangs beschreibt Horkheimer traditionelle Theorie, als »das aufgestapelte Wissen in einer Form, die es zur möglichst eingehenden Kennzeichnung von Tatsachen brauchbar macht.« Die Welt gelte in der bürgerlichen Gesellschaft »als Inbegriff von Faktizitäten, sie ist da und muss hingenommen werden.« Im zweiten Teil stellt Horkheimer dem seine Idee der »kritischen Theorie« gegenüber, der die Welt eine historische und von Menschen gemachte ist. Kritische Theorie muss die Gesellschaft selbst ebenso wie das Individuum zum Gegenstand haben, und die Wechselwirkungen und Widersprüche zwischen ihnen benennen, denn das Individuum ist als Forscher und Wissenschaftler Subjekt, aber gleichzeitig auch schon Objekt der Verhältnisse. »Die Vernunft kann sich selbst nicht durchsichtig werden, solange die Menschen als Glieder eines vernunftlosen Organismus handeln.«

 

Unser Anliegen ist mit Hilfe der Lektüre des Textes das Verständnis der Vorträge der Veranstaltungsreihe »Moral in der Wissenschaft?« zu erleichtern. Wir möchten euch einladen eine Auseinandersetzung mit Theorie, Wissenschaft und Gesellschaft zu suchen. Außer Zettel und Stift für eure Notizen müsst ihr nichts mitbringen – auch keine Vorkenntnisse. Zur besseren Planung würden wir uns über eine unverbindliche Anmeldung an ref-polibi@tu-ilmenau.de freuen. Die weiteren Termine des Lesekreises bestimmen wir während des ersten Termins.

 

Der Lesekreis findet um 19 Uhr im Interclub statt

 

Vortrag »Subjektive und objektive Momente physikalischer Erkenntnis«

Im Science-Fiction schien die Gesellschaft ab und zu noch von einer anderen Gesellschaft zu träumen, für die Maschinen zwar wichtig, aber weiterhin nur ein Mittel sind. Inzwischen starrt sie fast nur noch auf die Potenz utopischer Technik, die ihr dabei zum Selbstzweck gerinnt. Jede Utopie ist schal geworden, aber das Versprechen einer künftig vollständigen Beherrschung der Welt durch naturwissenschaftliche Erkenntnis und ihre Anwendung rauscht in scheinbar endloser Wiederholung über die Leinwände. Der häufig erschütternde Mangel an dramaturgischer Phantasie lässt viel Platz für wissenschaftliche Details und statt in wenigstens unterhaltsame Geschichten wird lieber in immer detailgetreuere Computeranimationen investiert. Aktuell führt der Film Interstellar die Zusammenarbeit von Kulturindustrie und Naturwissenschaft vor, dessen kurze Analyse den Vortrag über erkenntnistheoretische Grundlagen der Physik motivieren wird.

 

Die Hoffnung auf eine allmächtige Technik setzt auf den modernen Aberglauben, dass die Naturwissenschaften prinzipiell eine vollständige Beschreibung der Natur liefern könnten. Die Mathematik wird dabei nicht mehr für ein menschliches Symbol- und Denksystem, sondern für eine Art Schöpfungscode oder lingua franca der Natur gehalten. Doch naturwissenschaftliche Erkenntnisformen sind nicht nur historisch entstanden, sondern hängen auch logisch von der Konstitution der Gesellschaft ab. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse als unmittelbare Repräsentation der Natur an sich auszugeben, ist daher eine Gestalt aktueller Ideologie. Ihre Entwicklung lässt sich bei ihren Vorläufern, bei der Entwicklung der modernen Himmelsmechanik und anhand der heute noch eingeschränkt gültigen theoretischen Mechanik verfolgen. Die theoretischen Wandlungen der Mechanik während der Entstehung und Blütezeit des Kapitalismus, die ihre immer breitere Anwendung erleichterten, weisen im Widerspruch zur Ideologie aber deutlich auf ihren Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Entwicklungen hin.

 

Die Einsteinsche Relativitätstheorie erwies die klassische Mechanik dann als eine vor allem für kosmische Maßstäbe ungenügende Theorie und entschleierte damit nebenbei zugleich einen idealistischen Fehlschluss. Die auf Kant zurückgehende klassische Vorstellung von Raum und Zeit als reinen Formen unserer Anschauung wird durch die völlig kontraintuitive aber sich immer wieder bei Beobachtungen bewährende Verknüpfung von Raum und Zeit widerlegt. Die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis stellte sich neu und fordert bis heute statt wissenschaftlich verbrämter Esoterik und einer positivistischen Physik, die sich von jener manchmal nur noch mühsam unterscheiden lässt, eine moderne Erkenntniskritik.

  

 

Opens external link in new windowJörg Huber ist Physiker und publiziert häufiger in der Zeitschrift "Bahamas".

 

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Humboldt-Hörsaal.

 

Vortrag »Vernunft, technische Rationalität, Krieg – Zur gesellschaftlichen Verantwortung des Ingenieurs«

Wissen erschien einst, durch die aufklärende „Erkenntnis des Erkennens“ (Aristoteles), als Weg zum „Reich der Freiheit“. In der Epoche des Libera­lismus, der Vernunft und Revolution, ist Hegel überzeugt: „daß wir aber wis­sen, daß alle Menschen an sich, das heißt, daß der Mensch als Mensch frei“ ist. Diese kosmopolitische Freiheit verspricht „ewigen Frieden“ (Kant).

 

Am Ende des 19. Jahrhunderts indes verfällt die Vernunft zu einem techni­schen Wissen: zu einer Natur und Gesellschaft beherrschenden Produktiv-, dann zur Destruktivkraft. Als Produktivkraft wird Wissen in der Zweiten In­dustriellen Revolution nach 1873 ökonomisch verwertet. Der Erste Weltkrieg aber ist der erste, systematisch mit den Mitteln von Wissenschaft und Tech­nik geführte Krieg.

 

Ein Freiheit und Frieden verbürgendes Wissen scheint spätestens seit dem Imperialismus nicht länger vorhanden. Mit der technischen Rationalisierung der Welt geht ein ethischer Irrationalismus zusammen: das Postulat der Wert­urteilsfreiheit verbannt das Verhältnis des Bürgers zum Krieg in den Bereich privater, willkürlicher Überzeugungen. Jeder kann ebenso Pazifist wie Mili­tarist sein – oder alles scheint ganz gleichgültig. Die mit-leidende sympátheia (Adam Smith, Kant) ist eliminiert.

 

Im Vortrag wird am Verhältnis von Friedens-Utopie und Krieg der Verfall der bürgerlichen Moral skizziert. Im Zentrum steht die liberale Utopie: um darzulegen, welche objektiven Möglichkeiten im destruktiven Fortschritt zurückbleiben.

 

 

Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für Soziologie der Universität Hamburg

 

Ab 19 Uhr könnt ihr euch am Dienstag (12.05) im Hs2 (Mehrzweckgebäude) den Vortrag anhören

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Monday - Thursday:
10 - 13 o'clock, 14 - 16 o'clock
Friday:
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Meeting:
Wednesday 19 o'clock
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